Everest-Komfort-Trekking bis zum Ama-Dablam-Base-Camp

Ein Blog von Karin Baumgartner Wanderleiterin FA

Unsere Reise ins Everest-Gebiet starten wir in Kathmandu, Nepal. Nach der Ankunft in der wuseligen Hauptstadt bleibt etwas Zeit für eine Erkundungstour. Ob ein Ausflug zum Affentempel oder ins Touristenviertel Thamel: Es gibt viel zu sehen. Schon am nächsten Tag verlassen wir Kathmandu, weil wir mit dem Reisebus weiter nach Ramechap wollen. Von dort startet unser Flug nach Lukla, dem Ausgangspunkt für Trekkings ins Everest-Gebiet.

Ankunft in Lukla und Auftakt der Reise
Die Ankunft am Flughafen Lukla war spektakulär. Lukla gilt als der gefährlichste Flughafen der Welt und wird nur auf Sicht angeflogen. Der steil ansteigende Landeplatz (12 % Steigung), die schroffe Bergkulisse und die unmittelbare Nähe zu den Giganten des Himalayas sorgten für eine Mischung aus Nervenkitzel und Vorfreude auf das bevorstehende Trekking!

Von Lukla (2840 m) aus führt uns das Trekking durch malerische Dörfer in Richtung Phakding (ca. 2640 m) und weiter nach Namche Bazaar (ca. 3440 m). Namche Bazaar macht seinem Namen alle Ehre, da geht es wirklich zu und her wie auf einem Bazar. Ein kleines Geschäft reiht sich ans andere. Obwohl alle Ähnliches verkaufen, gibt es doch in jedem Shop etwas Neues zu sehen.

Von Namche Bazaar aus geht es weiter in Richtung Tengboche (3860 m), einem Ort mit grandioser Aussicht auf Everest, Lhotse und Ama Dablam. Letzterer wird oft als «Matterhorn Nepals» bezeichnet – und das Base Camp dieses Berges ist unser Etappenziel. Da haben wir noch ein ganzes Stück Weg vor uns.
Tengboche zu besuchen bedeutete neben der grandiosen Bergsicht auch, eine spirituelle Ruhe zu erleben, da dort ein Klosterbesuch anstand.
Per Zufall konnten wir im Kloster Tengboche an einer Zeremonie teilnehmen. Diese war eine Mischung aus Gebeten, rezitierten Mantras und Musik, die aus Hörnern oder Glocken bestand. Nach so viel Segnung sollte unserem Etappenziel, dem Ama-Dablam-Base-Camp, nichts mehr im Weg stehen.

Über Deboche (3820 m) und Pangboche (3930 m) nähern wir uns langsam unserem Trekkingziel. Das Ama-Dablam-Base-Camp liegt unterhalb der Westwand der Ama Dablam auf 4600 Metern. Die Wand der Ama Dablam erhebt sich imposant rund 2500 Meter hoch bis zum Gipfel auf 6856 Metern. Ama Dablam heisst übersetzt etwa «die Mutter (Ama) mit ihrer Halskette (Dablam)». Der hängende Gletscher wird als Halskette interpretiert, die von den Sherpa-Frauen getragen wird.
Das Wetter spielte mit: Es war angenehm warm und sonnig. Die starken Regenfälle der letzten Woche hatten Schnee gebracht, alles glitzerte – und mit ein wenig Fantasie konnte man beim Blick zum Gipfel wirklich eine Mutter mit Halskette sehen. 😉

Im Abstieg begegnen uns immer wieder beladene Yaks oder Maultiere. Wir staunen, was diese Tiere alles tragen können. Noch mehr staunen wir über die Sherpas, die unglaubliche Lasten den Berg hinauf- und hinuntertragen. Wir schnappen schon nur mit unserem Tagesrucksack am Rücken bei jedem Schritt nach Luft, während die Sherpas mühelos an uns vorbeiziehen. Am Ende unseres Trekkings verabschieden wir uns von unseren lokalen Guides und Trägern. Wehmut vermischt sich mit Dankbarkeit. Eine solche Reise ist nur mit einem tollen Team von Einheimischen zu bewältigen – Hut ab!

Szenenwechsel. Von den Bergen in den Dschungel.
Am Ende der Reise fliegen wir noch für drei Nächte in den Chitwan-Nationalpark. Die Szenerie könnte unterschiedlicher kaum sein. Unser stilvolles Hotel liegt inmitten eines üppig grün wuchernden Dschungels und statt Zimmer beziehen wir ganze Bungalows. Obwohl sich die Hotelanlage gut aushalten liesse, machen wir uns auf den Weg für die Tagesausflüge.

Der Chitwan-Nationalpark ist ein subtropisches Tieflandgebiet südlich von Kathmandu und bekannt für seine reiche Tierwelt und vielfältige Landschaft aus Wäldern, Grasland und Flüssen. Als ältester Nationalpark Nepals und UNESCO-Weltnaturerbe ist er besonders berühmt für seine Panzernashorn-Population und ein wichtiges Schutzgebiet für bengalische Tiger, Elefanten, Ganges-Gaviale (eine Krokodilart) und über 500 Vogelarten. Mal einen Tiger sehen, das wär’s. Und siehe da – während wir im Safari-Jeep sitzen, läuft vor uns doch tatsächlich ein Tiger über die Strasse! Das ganze Spektakel hat nur einige Sekunden gedauert, aber die Erinnerung bleibt für immer.

Nach einer langen Pirschfahrt wartet am Ufer des Flusses Rapti eine weitere Überraschung auf uns. Die Hotelcrew hat einen Sundowner (Apéro) vorbereitet. Mit einem kühlen Getränk in der Hand geniessen wir die Stimmung am Fluss und saugen die letzten Sonnenstrahlen in uns auf. Da passiert es völlig unerwartet: Ein Panzernashorn taucht weiter unten im Fluss auf und kommt auf uns zu! Es bleibt jedoch auf der anderen Flussseite, lässt sich von uns nicht weiter stören und verschwindet im Wald. So wie das Nashorn verschwindet, denken auch wir langsam über unsere Heimkehr nach.

Abschied nehmen von dieser Reise heisst: imposante Berge, stille Klöster, tosende Flüsse, lächelnde Sherpas, üppige Dschungellandschaften und schöne Tierbegegnungen als Erinnerungen im Herzen bewahren. Bis zum nächsten Mal!

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