
Autor
Hansruedi Büchi, Gründer der Aktivferien AG und begeistert davon, alten Orten neues Leben zu schenken.
Ein verschollener Weiler erwacht zu neuem Leben – Le Pèze
Jahrelang führte unsere Hausrunde vom Domaine du Frigoulet an den überwucherten Ruinen von Le Pèze vorbei. Kaum jemand ahnte, was sich unter Gestrüpp, Dornen und alten Mauern noch verbarg. Auch ich selbst hatte lange nur diese Ruinen gesehen – bis ich während der Pandemie mit Kettensäge und Heckenschere dort stand und begann, genauer hinzuschauen.
Die Ruine Le Pèze im Jahr 2021





Was zuerst wie ein einzelner alter Mauerrest wirkte, entpuppte sich nach und nach als ein ganzer kleiner Weiler. Drei Häuser, verborgen unter Jahrzehnten von Natur. Im Katasterplan aus der napoleonischen Zeit war Le Pèze noch eingetragen – ein wichtiger Beweis dafür, dass diese Häuser einst bewohnt waren und wir überhaupt eine Baubewilligung erhalten konnten.
In diesem Moment war für mich klar: Dieser Ort verdient ein zweites Leben.
Wahrscheinlich hat mich genau das schon immer fasziniert – aus etwas Altem wieder etwas Wertvolles entstehen zu lassen. Bevor mein Weg mich in die Welt des Reisens geführt hat, war mein erster Beruf Maurer. Danach habe ich die Polierschule gemacht. Das Bauen, das Arbeiten mit Stein, die Freiheit, seinen Visionen Platz zu lassen – das hat mich nie losgelassen. Neben dem Reisen und dem Entdecken ferner Länder ist es bis heute eine meiner grössten Leidenschaften, schöne Orte zu erschaffen.
Gemeinsam gebaut – mit einem Team, das Le Pèze geprägt hat
Beim Frigoulet durfte ich das schon einmal erleben. Deshalb war für mich auch sofort klar, dass ich wieder mit dem gleichen lokalen Maurerteam arbeiten wollte, das bereits vor über 20 Jahren das Frigoulet mit aufgebaut hat. Viele von ihnen kenne ich seit Jahrzehnten. Es sind einfache Menschen, bodenständig, mit einem unglaublichen Gespür für das Wesentliche. Menschen, die nicht viele Worte brauchen, aber das Herz am richtigen Fleck haben.
Jeden Montagmorgen begann meine Woche um halb vier. Mit dem Auto von der Schweiz Richtung Ardèche, damit ich pünktlich um zehn Uhr auf der Baustelle war. Und fast jedes Mal stand Alexander schon da – mit seinem Gipfeli in der Hand, bereit, es mir abzugeben. Solche kleinen Gesten sagen oft mehr als grosse Worte.
Während einer so langen und intensiven Bauphase entstehen Freundschaften.
Die letzten Monate dieses Frühlings waren besonders hart. Ungewöhnlich viel Regen, kalter Wind und Temperaturen, die man im Süden Frankreichs so nicht erwartet. Teilweise war es bitterkalt auf der Baustelle. Die Männer wärmten sich mit kleinen Feuerchen zwischen den Mauern auf, während wir versuchten, den Zeitplan trotzdem einzuhalten. Ich brachte irgendwann Thermounterwäsche mit – etwas, das dort für grosses Staunen und noch grössere Lacher sorgte. Einige schauten mich an, als hätte ich eine technische Weltneuheit erfunden.
Besonders berührt hat mich immer wieder die Hilfsbereitschaft und Grosszügigkeit dieser Menschen. Hilfsmitarbeiter, von denen man anfangs vielleicht nicht viel erwartet hätte, wuchsen plötzlich über sich hinaus. Sie brachten eigene Ideen ein, fanden kreative Lösungen, verbesserten Details, auf die selbst wir nicht gekommen wären. Manche Entscheidungen, die heute den Charakter dieser Häuser prägen, entstanden genau aus diesen spontanen Einfällen heraus.
Es war nie nur mein Projekt. Es war unser gemeinsames Werk.








Verwurzelt in der Ardèche – ein Ort mit Geschichte und Zukunft
Was mich während der ganzen Bauzeit ebenfalls beeindruckt hat, war die starke Verankerung in der Gemeinde. Die Unterstützung der Gemeinde, der Nachbarn und überhaupt des ganzen Départements Ardèche war aussergewöhnlich. Man spürt hier noch, dass solche Projekte gemeinsam getragen werden. Viele Menschen kennen das Frigoulet seit Jahren, viele haben den Weg mitverfolgt und sich ehrlich mit uns über jeden Fortschritt gefreut.
Wir erleben seit über 25 Jahren, wie sehr nachhaltiger Qualitätstourismus hier geschätzt wird. Nicht nur politisch, sondern auch von den Menschen vor Ort. Dass alte Häuser erhalten und mit neuem Leben gefüllt werden, statt einfach etwas Beliebiges neu zu bauen, wird hier verstanden und unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich – und genau deshalb umso wertvoller.
Unser Ziel war nie, einfach neue Ferienhäuser zu bauen. Wir wollten den alten Charakter bewahren. Mit den alten Steinen der Ruine, mit südfranzösischer Handwerkskunst, mit Respekt vor der Geschichte dieses Ortes. Der Name Le Pèze bedeutet im Altfranzösischen so viel wie Wert oder Reichtum – und genau das sollte dieser Ort wieder ausstrahlen.
Mitten im Naturpark stehen heute drei Häuser mit einer Aussicht, die mich selbst jedes Mal wieder beeindruckt. Im Osten die Ardèche-Schlucht, im Westen die Cévennen. Alte Eichen, Naturstein, Ruhe und Weite.







Der Gewölbekeller – eine der grössten Herausforderungen von Le Pèze
Haus 2 und 3 bieten jeweils drei Doppelzimmer mit eigenem Bad, grossen Salon, Küche und Terrasse. Haus 1 ist besonders geeignet für Paare oder Familien. Es verfügt über ein grosses Doppelzimmer und ein Dreibettzimmer. Alle Häuser sind ganzjährig geöffnet und bewusst so gestaltet, dass man mitten in der Natur wohnt, ohne auf Komfort verzichten zu müssen. Ein Pool, Klimaanlage, E-Ladestation und in jedem Haus ein Cheminéeofen sorgen für gemütliche Stunden – zu jeder Jahreszeit.
Rund um Le Pèze beginnt das Erlebnis direkt vor der Haustür. Mountainbike-Trails, Wanderwege, Rennradtouren, Reitausflüge, Kanutouren durch die Ardèche-Schlucht oder einfach lange Spaziergänge durch unseren eigenen Naturpark – hier braucht es oft gar kein grosses Programm. Viele Gäste geniessen genau diese Mischung aus Aktivsein und Rückzug. Morgens auf den Trails unterwegs, nachmittags am Pool mit Fernsicht, abends ein Glas Wein auf der Terrasse.
Ein ganz besonderes Herzstück von Haus 3 ist der grosse Natursteingewölbekeller. Eigentlich war er in dieser Form gar nicht geplant. Erst bei der Rodung wurde sichtbar, dass der alte Weinkeller noch erstaunlich gut sichtbar war. Plötzlich stand da nicht nur eine Ruine, sondern ein Stück Geschichte, das unbedingt erhalten werden musste. Der Gewölbekeller stellte sich dann aber doch heraus: So war er nicht mehr rettbar.
Von diesem Moment an wurde es fast zu einem persönlichen Ehrgeiz, dieses Gewölbe wieder so herzustellen, wie es früher einmal war.
Der Bau war alles andere als einfach. Ein solches Gewölbe baut man heute kaum noch. Es braucht Erfahrung, Geduld und echtes handwerkliches Können. Stein für Stein wurde gesetzt, mit Respekt vor der ursprünglichen Bauweise. Für das ganze Team war das eine grosse Herausforderung – und gleichzeitig eine besondere Motivation.
Heute ist dieser Raum eines der monumentalen Kernstücke von Le Pèze. Kühl im Sommer, voller Atmosphäre und mit einer Ausstrahlung, die man kaum beschreiben kann. Er eignet sich für private Feiern, Geburtstage, lange Tavolata-Abende mit Freunden, kleine Seminare, Yoga-Retreats oder besondere Gruppenreisen. Ein Raum, der nicht nur schön ist, sondern Geschichten erzählt.







Vom vergessenen Weiler zum lebendigen Ort
Auch der Pool liegt leicht erhöht in den Baumkronen mit Fernsicht über die Landschaft. Dort zu sitzen und zu sehen, was aus diesen alten Ruinen geworden ist, erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit.
Es war ein riesiges Privileg, gemeinsam mit diesem lokalen Team etwas so Wertvolles entstehen zu lassen. Nach zwei intensiven Jahren Bauzeit ist aus einem verschollenen Weiler wieder ein lebendiger Ort geworden.








Und vielleicht ist genau das das Schönste daran: zu wissen, dass hier wieder Leben einzieht. Familienferien, gemeinsame Abende, Kinderlachen, lange Sommernächte.
Ein alter Ort mit neuer Geschichte.


















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