Urs von Däniken / Wanderleiter mit eidg. FA
Pioniere in Patagonien
Pioniere, wilde Landschaften und Wege abseits der bekannten Routen – diese Reise führt uns tief hinein nach Patagonien, dorthin, wo Abenteuer noch echt sind. Zwischen schneebedeckten Vulkanen, türkisfarbenen Seen und einsamen Tälern folgen wir den Spuren früherer Entdecker und werden selbst ein Teil dieser Geschichte. Schritt für Schritt wächst der Teamgeist, während uns die Natur mit ihrer Weite und Ursprünglichkeit immer wieder staunen lässt – eine Reise für alle, die mehr suchen als nur schöne Aussichten.
Reiseblog
Franz Schirmer empfängt uns herzlich vor seiner Lodge, die fantastisch am Ufer des Lago Todos los Santos liegt. Eine motivierte Gruppe von zehn Abenteuerwilligen ist über die moderne Grossstadt Santiago de Chile in den Süden Chiles, nach Puerto Montt, geflogen, um den Pionieren nachzuspüren. Schon auf der Anreise nach Petrohué bewundern wir den Volcan Osorno, der weiss und mächtig über dem blauen See thront.


Franz Schirmer
Franz führt uns als erstes ins Museum der Pioniere, das er am Ufer des Lago selbst aufgebaut hat. Schweizer Pioniere haben hier Bemerkenswertes geleistet. Die Familie Roth hat den uralten Übergang zwischen Chile und Argentinien, von Puerto Montt nach Bariloche, zu Beginn des 20. Jahrhunderts für den Tourismus nutzbar gemacht. Das «Cruce Andino» bietet noch heute einen touristisch sehr attraktiven Übergang von Chile nach Argentinien. Wir sind fasziniert von der Arbeit, die hier geleistet wurde, aus dem Nichts ein Hotel hier und eine Seilbahn da – beeindruckend.
Beim reichhaltigen Apéro mit Plättchen und Pisco Sour in der Petrohué Lodge führt uns Franz in diese Welt ein. Sein Grossvater ist nach Chile ausgewandert, war angestellt bei der Familie Roth und hat die Tochter des Hauses geheiratet. Seine Grossmutter hat ihm die Petrohué Lodge vererbt, und diese führt er nun als Pionier weiter. Er hat rundherum ein Angebot aufgebaut, sogar mit zwei ausgedienten Sesselliften aus der Schweiz am Fuss des Volcan Osorno ein kleines Skigebiet. Als Franz im Briefing für das Trekking erwähnt, dass es mehrere Flüsse zu durchqueren gibt, wundern wir uns ein erstes Mal. Hier watet man in den Wanderschuhen durch die knietiefen (oder etwas tieferen) Bäche! Nun, wir sind jedenfalls schon mal gespannt, was der Pioniergeist von uns noch alles abverlangen wird!

Am nächsten Tag führt uns Franz zum Paso Desolación. Wiederum scheint die Sonne von einem stahlblauen Himmel, die Temperaturen sind angenehm – wie immer in diesem Teil Patagoniens. Als Pionier wählt er den wilden Weg einem Bachbett entlang hoch und macht uns schrittweise auch zu Pionieren. Jedenfalls ist die Wanderung über Stock und Stein, durch Gebüsch und auf schmalen Spuren eine gute Übung für kommende Aufgaben. Die Aussicht weitet sich über den Lago Todos los Santos tief unter uns, mit dem Volcan Osorno im Rücken und dem spitzen Cerro Puntiagudo vor uns. Unten am See holt uns der Sohn von Franz, Mathias, mit dem Boot ab. Der Hot Pot in der Lodge ist schon eingeheizt …


Nun geht es los auf unser fünftägiges Trekking. Der erste Tag auf dem «Cruce Andino» ist eine gemütliche Schiffs- und Busreise. Zuerst mit dem Katamaran über den Lago Todos los Santos nach Peulla, dann mit dem Bus über den Paso Pérez Rosales nach Puerto Frías, mit dem Boot nach Puerto Alegre, mit dem Bus nach Puerto Blest und mit dem Schiff nach San Carlos de Bariloche. Das dauert den ganzen Tag – eine unglaubliche Reise nach Argentinien. Am Pier in Puerto Pañuelo empfängt uns Guido, unser Guide für das Trekking. Im Minibus fahren wir zur Lodge Pampa Linda, auf 851 m, dem Ausgangspunkt unseres Trekkings. Welche gewaltigen Eindrücke an nur einem Tag!


Am frühen Morgen glänzt hoch über uns der Cerro Tronador im Morgenlicht. Wir werden nun über den Paso Vuriloche, einen alten Übergang, der von Urvölkern, Jesuiten, Händlern, Spaniern und Pionieren genutzt wurde, zurück zum Lago Todos los Santos wandern. Kurz hinter der Lodge Pampa Linda tauchen wir in den Bambuswald ein. Schon bald kommt die erste Wat-Passage – also wie gesagt, einfach weiterlaufen, auch wenn das Wasser knietief ist und die Schuhe voll sind. Wir gewöhnen uns schnell daran, und es macht sogar Spass! Wir tauchen ein in das Leben als Pioniere. Durch den Wald führt uns ein guter Weg hinauf zum Paso Vuriloche auf 1390 m. Überhaupt – die Höhendifferenzen sind hier überschaubar, und wir bewegen uns in für uns Schweizer gewohnten Höhen.


Hinter dem Pass mit der Grenze zu Chile kommen wir hinunter auf eine grosse Wiese, Mallìn Chileno. In der Nähe gibt es einen Polizeiposten, der sogar besetzt ist und wo wir offiziell nach Chile einreisen. Ob die Polizisten wohl nur wegen uns da sind? Mehr zu tun gibt es für sie wohl die ganze Woche nicht mehr … Weiter führt uns der einzige Pfad in diesem Tal über Hügel, Bächen entlang, über kleine wacklige Hängebrücken, immer mit dem Cerro Tronador zur Rechten. Schliesslich erreichen wir am Abend das Refugio Baguales – ein hübsches kleines Häuschen, das der Pionier Franz hier in letzter Zeit für die Trekker aufgebaut hat. Es fehlt an nichts, und Franz empfängt uns Pioniere – wir sind die ersten, die diese Infrastruktur nutzen – mit Bier und Plättchen. Wie ist er nur hierhergekommen? Aha – da unten steht sein Helikopter. Franz und Guido bereiten ein feines Abendessen zu. Das Refugio ist gut ausgerüstet, es fehlt uns an nichts – ausser vielleicht dem Handyempfang.





Weiter geht es talauswärts auf einer etwas kürzeren Etappe zum Refugio Nana Roth. In Erinnerung an seine Grossmutter hat Franz dem ebenfalls neu erbauten Refugio diesen schönen Namen gegeben – Pioniere halt, die ihre Wurzeln nicht vergessen. Obwohl Franz in Chile aufgewachsen ist, hat er in der Schweiz gearbeitet und Militärdienst geleistet – wir können uns auf Schweizerdeutsch unterhalten. Über eine wacklige Hängebrücke erreicht man vom Refugio aus in wenigen Schritten einen alten Badeplatz. Von unbekannten Menschen in den Stein gehauene Becken ermöglichen das Geniessen einer heissen Quelle, und Franz hat sogar eine warme Dusche gebastelt. So geniessen wir das natürliche, warme Wasser zum Entspannen in der freien Natur.
Im Refugio Nana Roth geniessen wir zwei Nächte. Am Ruhetag dazwischen besuchen einige von uns eine Ausgrabungsstätte, wo Spuren und alte Werkzeuge von Pionieren von vor über 12’000 Jahren gefunden wurden. Es besteht wohl ein Zusammenhang mit der Ausgrabungsstätte Monte Verde bei Puerto Montt, die beweist, dass Amerika nicht nur von Norden her besiedelt wurde. Der Ausflug beinhaltet eine tiefe Wat-Passage durch den Rio Blanco, die wir mit Hilfe von Cochen, einem Gaucho auf seinem Pferdchen, bewältigen. Ein Teil der Gruppe zieht es vor, den Ruhetag in den Baños in der Nähe des Refugio Nana Roth zu geniessen.



Der letzte Tag des Trekkings führt uns dem Rio Blanco entlang bis zum Lago Todos los Santos. Hier holt uns Franz mit dem Boot ab und bringt uns zurück zur Petrohué Lodge. Schon fast ein wenig wehmütig verlassen wir dieses einsame Tal, das nur von zwei Gauchos, Jorge und Cochen, ganzjährig bewohnt wird, eine unglaubliche Natur bietet und auf einem einzigen schmalen Weg begangen werden kann.



In der Lodge feiern wir das Trekking, unseren Guide Guido (Nomen est omen), Franz und unser fantastisches Team. Alle haben mitgeholfen, unterstützt, genossen, gelacht und das Ziel erreicht. Franz und Guido zeichnen uns mit einem Diplom als Pioniere Nummer 002 bis 014 und mit dem Eintrag im Buch der Pioniere aus – jetzt gehören wir auch dazu und sind sogar ein wenig stolz darauf! Wie heisst es doch so schön auf dem Diplom: «Congratulation on this extraordinary achievement, which demonstrates an exploratory spirit and commitment to adventure!»

Nach einem emotionalen Abschied geht es anderntags weiter, zuerst mit dem Flugzeug nach Balmaceda. Dort holen uns Diego und der Fahrer Henry für die nächsten Tage am Lago General Carrera ab. Auf der Carretera Austral geht es nach Süden zur Terra Luna Lodge am See. Hier hat ein anderer Pionier, Phillippe Reuter, ursprünglich Franzose, eine wunderbar gelegene Lodge aufgebaut. Die Unterkünfte liegen verstreut am See, mal ist es ein Tiny House, mal ein Kuppelzelt, mal ein Baumhaus – der Kreativität der Pioniere sind keine Grenzen gesetzt.




Diego führt uns am ersten Tag auf den Veranada, einen oben flachen Hügel oberhalb des Sees mit fantastischen Ausblicken in die vergletscherten Berge, die sich im See spiegeln. Dominierend ist der Monte San Valentin, mit 4058 Metern der höchste Berg Patagoniens. Der nächste Ausflug führt in den Parque Patagonia, ein riesiges Naturschutzgebiet, von privaten Pionieren gegründet. Ein wunderbarer Wanderweg führt hoch zu den Lagunas Altas. Und schon folgt ein weiterer Höhepunkt – mit den Jetboats von Phillippe fahren wir den Rio Leones hinauf, zwischen Untiefen, Stromschnellen und Felsblöcken hindurch, bis es nicht mehr weitergeht. Dann geht es zu Fuss in einer knappen Stunde zum Lago Leones, wo uns die Bootsführer mit anderen Booten abholen und zum Gletscher bringen. Hier münden die Gletscher vom nördlichen Patagonischen Eisfeld direkt in den See – ein grosses Erlebnis, wenn die Eisbrocken in den See fallen. Nach dem Lunch am Gletscher steigen wir «patagonisch» über Blöcke und durch Gebüsch auf wenig sichtbaren Spuren auf einen der Gletscher hinauf. Ein fantastisches Erlebnis!




Ein letztes Highlight folgt auf der Rückreise in Richtung Norden. Mit Booten erkunden wir die Capillas de Mármol – eindrückliche Höhlen im Lago General Carrera. Dieser Besuch bildet einen würdigen Schlusspunkt einer Reise, die in uns den Pioniergeist geweckt hat, die uns unglaubliche Landschaften hat erleben lassen, die uns erlaubt hat, in die vielfältige Natur einzutauchen und unseren Teamgeist gefördert hat. Wir werden die Pioniere, das Land und die Menschen lange in Erinnerung behalten. Wenn du gerne wanderst, etwas Pioniergeist mitbringst, gerne mit einem Team unterwegs bist und ein paar Stunden durchhalten kannst, ist das Patagonien Trekking eine ideale Reise. Du verzichtest auf ständige Erreichbarkeit, ein Zimmer mit Dusche und Bad und hilfst bei den täglichen Arbeiten mit – aber du erhältst ein fantastisches, bleibendes Erlebnis mit allem, was das Leben angenehm macht!


Patagonien Trekking
Urs von Däniken, Reiseleiter Aktivferien AG